Hier gehts zum Fotoalbum!Der Wecker geht um 3 Uhr 30 ab und wir fahren um 4 Uhr nach München zum Flughafen, wo wir um 6 Uhr 45 ankommen.
Um 9 Uhr fliegen wir mit der Lufthansa nach Frankfurt. Und um 12 Uhr ist der Abflug mit der Singapur Airline nach Singapur. Wir sitzen in einer Boeing A 380 – 800 mit einer Länge von 72,7 m, einer Flügelspannweite von 79,8 m und 471 Sitzen. Der Superjumbo ist der Welt größtes Passagierflugzeug und das treibstoffeffizienteste. Die Flugzeit nach Singapur beträgt ca 11,5 Stunden.
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Wir fliegen auf 30.000 feet, das sind fast 12.000 km. Die Geschwindigkeit variiert zwischen 900 und 1.076 km/h, je nach Gegenwind oder Rückenwind. Über Indien erreicht der Rückenwind eine Spitzengeschwindigkeit von 224 km/h. Die Außentemperatur fällt auf – 61Grad Celsius. Wir fliegen über die Tschechei, Polen, Ukraine, Azerbaijan, Turkmenistan, Afghanistan, Pakistan, Indien, den Golf von Bengalen, Thailand und Malaysien. Das Service der Singapur Airline ist bekannt als ausgezeichnet. Und wir sind gut umsorgt von den feschen Hostessen. Immer wieder gibt es Getränke, kleine Snacks und ein perfektes Dinner und Frühstück. Wir landen um 23 Uhr 38, doch geht schon die Sonne auf, denn wir haben plötzlich 6 Uhr 38 und schon den 13. Dezember! |
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Nach relativ kurzem Aufenthalt in Singapur Changi geht es um 7 Uhr 55 mit der kleineren Schwester A 330 – 300 für 285 Passagiere und einer Länge von 63,6 m, sowie einer Flügelspannweite von 60,3 m weiter nach Perth in Westaustralien.
Wir fliegen über die Indonesische Inselwelt und queren den riesigen Indischen Ozean über den Weihnachtsinseln. Erstmals erblicken wir den Kontinent unserer Antipoden auf der Höhe von Exmouth. Es geht der Westküste Australiens entlang nach Süden.
Die Landung ist um 13 Uhr 10, doch die Zollformalitäten ziehen sich dahin, da auch wir Australiens restriktive Einfuhrbestimmungen zu spüren bekommen. Australien hat schon zu oft schlechteste Erfahrungen gemacht mit dem Import von diversen Schädlingen und allerlei Krankheiten. Wir werden mit unseren Koffern sogar zur Schnüffelhündin geschickt. Auf meine Frage, ob es um Rauschgift gehe, bekomme ich zur Antwort, die Hündin sei auf Gemüse und Obst dressiert.
Endlich um 14 Uhr 10 treffen wir Nocola, die schon eine Stunde auf uns gewartet hat. Ich brauche nicht zu schildern, wie das Wiedersehen nach mehr als einem Jahr auf diesem fremden Kontinent war. Wir waren so aufgeregt, dass wir Nicola unter den vielen Wartenden erst gar nicht entdeckten, obwohl sie in der ersten Reihe stand. (Allerdings hat ein Fotoapparat ihr Gesicht verdeckt! )
Wir hatten eine 27 stündige Reise hinter uns (davon 18 Stunden reine Flugzeit), und genießen im Hinterhof des kleinen Häuschens in Palmyra – einem Vorort von Perth – , wo Nicola mit Arthur und ihren drei Buben Constantin, Aurel und Ruben wohnt, eine Tasse Kaffee.
Constantin und Aurel müssen in die Schule gebracht werden, die um 9 Uhr beginnt, und Ruben in den Kindergarten. Maria begleitet Nico zur Palmyra Primary School, die ca 20 Minuten entfernt auf einem Hügel liegt. Dann bringt uns Nicola mit ihrem Landcruiser nach Fremantle, dem Hafen von Perth am Indischen Ozean. Wir schlendern vom Memorial Hill (Kriegerdenkmal), von dem aus man einen herrlichen Blick auf die quirlige junge Stadt hat, am Fremantle Prison vorbei, wo seit 1850 bis 1980 mehr als 10.000 Strafgefangene inhaftiert waren (die letzte Hinrichtung fand hier 1964 statt, als der Serienkiller Eric Edgar Cooke gehängt wurde), hinab zu den markets, wo das Leben pulst.
Die zwei Damen Nicola und Maria nehmen sich Zeit für den Frisör und erledigen Einkäufe. Am späteren Nachmittag geht es zum South Beach von Fremantle, um Kühlung vor der sengenden Hitze zu finden. Obwohl Dezember, haben die Hochsommer, und die Sonne brennt gnadenlos senkrecht auf uns herab. Man darf sich nicht früher in die Sonne wagen, um keinen Sonnenbrand einzufangen. Und auch jetzt empfielt es sich, gut einzucremen. Wir tragen sogar spezielle T-shirts, die die gefährlichen UV Strahlen entschärfen. Doch der Fremantle Doctor, wie der heftige Wind am Strand von Fremantle genannt wird, trägt auch zur Kühlung bei.
Maria geht mit Fam. Knapp zur Sonntagsmesse, die einen Fußmarsch von einer halben Stunde entfernt ist. Ich bin dazu nicht fähig, denn mich hat es erwischt: Durchfall und Schwäche lassen mich das Bett hüten. Doch den Spaziergang am Abend am Ufer des Swan Rivers bei Perth wollte ich doch nicht versäumen.
Ein ruhiger Tag, den wir zu Hause bei Nicola verbringen. Für Aurels Geburtstagsparty wird noch eingekauft und fleißig Kuchen gebacken.
Letzter Schultag! Jetzt ist Maria krank. Sie kann an der School Assembly nicht teilnehmen und bleibt allein daheim. Bei dieser Versammlung erhalten die besten Schüler rewards (Auszeichnungen) und ernten großen Applaus von den anwesenden Schülern und Eltern. Wir sind stolz, dass es auch Constantin zum Aussie des Monats gebracht hat.
Am Nachmittag mache ich eine längere Wanderung, um die Umgebung kennen zu lernen. Es fasziniert mich, wie die Buswartehäuschen nett bemalt sind.
Heute steigt Aurels Geburtstagsparty, die wegen der Ferien etwas verfrüht angesetzt werden muss, damit seine Schulfreunde teilnehmen können. Er hat ja erst am 27. Geburtstag.
Sie findet im Kadidjiny Park von Melville statt, einem wunderschöner Park mit Gasbarbecues, schattigen Sitzmöglichkeiten, Spielplätzen und vielen Grünflächen mit riesigen Eukalyptusbäumen.
Die Eltern bringen die Mitschüler und Freunde von Aurel her, es wird gegrillt und gefeiert. Alle Australier machen ihre Feiern in den öffentlichen Parks, wo sogar Hochzeiten, Weihnachts-, Sylvester- oder Promotionsfeiern stattfinden. Sämtliche Gasgrills sind gratis und werden von Stadtbediensteten gewartet und sogar geputzt. Die Parks sind wunderschön und extrem sauber, kein einziger Abfallkübel quillt über! So versteht man, dass sie der Treffpunkt der Australier sind, und das Wetter ist immer schön und warm! Und daheim bleibt auch alles sauber.
Am Abend geht es noch zum Bicton Jetty am Swan River zum Schwimmen, da es sehr sehr heiß (wieder einmal über 40 Grad) ist. Dies ist der Hausbeach der Famile Knapp, da er nur 10 Fahrminuten vom Haus entfernt ist.
Da Nico frei hat, fährt sie mit den Kindern und uns zum wegen diverser Haiattacken berüchtigten, aber wunderschönen Cottesloe Beach in der Nähe des berühmten „Indian Teahouse“.
Tatsächlich gab es hier 2012 schon zwei Tote auf Grund von Haiattacken. Obwohl der Strand ständig von Hubschraubern beobachtet wird und im Fall auch gewarnt wird, wagen sich manche Surfer doch zu weit hinaus. Auch wir haben einen Tag erlebt, an dem der Beach gesperrt wurde.
Auf dem Heimweg kommen wir an der Aussichtsplattform „Bold Park“ vorbei, von der man einen herrlichen Blick auf die Millionenstadt Perth hat.
Am Abend findet der „Farmer`s Market“ an der Palmyra Schule statt, wo allerlei Gebasteltes und Köstlichkeiten für einen guten Zweck angeboten werden. Dabei erklingen Christmas Carols. Es geht einem schon zu Gemüte, wenn bei anbrechender Dunkelheit und 35 Grad im fernen Land „Silent Night ...“ erklingt, das ja von Österreich ausging.
Nach einer extrem heißen Nacht geht es heute zum weltberühmten Kingspark. Erst beeindruckt uns das riesige Kriegerdenkmal mit der ewigen Flamme gegenüber der imposanten Skyline der Hochhäuser von Perth.
Es ist für uns neu, dass Australien so viele Kriegstote hatte, obwohl es nur eine Freiwilligenarmee besaß. Angeführt sind auch noch die Toten vom Korea- und Vietnamkrieg.
Wir wandern durch den wunderschön gepflegten Botanischen Garten mit 750.000 m² Fläche, sind von der Blütenpracht der Sträucher und Bäume angetan und lassen uns vom Geschrei der lästigen Papageien nicht stören.
Wir queren auf einer imposanten Stahlbrücke eine kleine Schlucht und besteigen dann noch den DNA Turm, der einem Strang der menschlichen DNA nachempfunden wurde, und erreichen den für die Kinder wichtigen riesigen Spielplatz.
Es ist Samstag und wieder extrem heiß. Arthur macht mit uns allen einen Tagesausflug zu den Perth Hills, genau nach Bells Rapid im Swantal. Über eine Holzbrücke steigen wir den schweißtreibenden steilen Anstieg hinauf zu den Grasstrees, einer typischen Vegetationsart in dieser Gegend. Und nach einer ansprechenden Rundwanderung, bei der wir den noch kleinen Swan River queren, wobei Maria zur Abkühlung ein Bad nimmt, ist es Zeit für ein Picnic. Alle erfrischen wir uns in einem ruhigen Tümpel, den auch ein paar Aborigines gefunden haben.
Auf dem Weg zu einem Wasserfall sehen wir die ersten Kängurus, und auch eine Schlange quert unseren Weg.
Am Sonntag finden wir uns wieder in der netten Kirche Our Lady of Fatima in Palmyra ein und sind angetan von der sympatischen Art, wie Pfarrer Francis den Gottesdienst gestaltet. Die Kinder sind beim Basteln im Nebenraum und bringen dann ihre Kunstwerke zum Altar, wo sie Pfarrer Francis einzeln mit Bombenfive begrüßt. Sämtliche Lieder- und Gebetstexte kann man an der Beamerwand mitlesen. Francis hat eine Unmenge von Mitarbeitern, die alle sich irgendwie im Gottesdienst einbringen.
Am Abend gibt es einen Treff im Park des Kunstzentrums von Fremantle, wo bei einem Picnic mit einer unglaublichen Menschenmenge, dass wir sogar Platzangst haben, von einer Rockgruppe Christmas Carols vorgetragen werden. Wir hören Jingle Bells in der Rockversion und wieder Silent Night zum Abschluss.
Heiliger Abend.. Es ist so heiß, dass wir den Vormittag im Schatten dahin schmachten, bis wir uns zum O`Connor Beach im Süden von Fremantle aufmachen. Wir finden einen freien Grill und tun uns gut bei Kängurufleisch und einer Pavlowa Baiser Sahne Obsttorte. Nur der heute extrem heftige Fremantle Doctor reißt uns immer wieder die Tischdecke vom Tisch.
Direkt vom Strand fahren wir zur Kindermette zu Pfarrer Francis und heim zur Bescherung.
Weihnachten. Das Thermometer hat wieder die 40 Grad überschritten. Wir fahren zum nahe gelegenen Wireless Hill Park, ein beliebtes Ausflugsziel der Großstädter. Hier gibt es nicht nur die obligaten Barbecues und Spielplätze, sondern auch die walking trails durch das Buschland. Nur ist die Blütezeit für die Orchideen und Wildflowers schon vorbei.
Wir besteigen einen der zwei Aussichtstürme, von denen man ein fantastisches Panorama auf den Swan River und die Skyline von Perth genießt. Den Namen aber hat der Hügel vom 120,7 m hohen Funkturm, der von 1912 bis 1967 die wichtigste Funkverbindung Westaustraliens mit der Welt war. Übrig davon sind nur mehr zwei der drei Ankerfundamente, die als Aussichtspunkte genützt werden.
Am späteren Nachmittag muss das Schlauchboot (Christkind) am Hausbeach ausprobiert werden, bevor Arthur uns knusprig gegrillte Hendln serviert.
Wir erleben Weihnachten unter Palmen.
Stefanitag. Maria und ich steigen in den Bus vor unserer Haustür und erobern Perth. Wir schlendern zwischen den Hochhäusern, fahren mit den Gratisbussen kreuz und quer durch die steinreiche Millionenstadt, picnicen und rasten unter einem Akazienbaum des Queensgardens und genießen ein kühles Bier in der alten Hafenkneippe in der Nähe des Bells Towers. Das WAMuseum hat geschlossen, wir werden das nachholen müssen.
Unsere dritte Woche in Australien beginnt. Aurels Geburtstag. Maria und ich fahren mit dem Bus nach Fremantle. Es ist Zeit, endlich einige Grußkarten zu schicken. Maria hat Gelegenheit, nach Kleidern sich umzusehen. Das Schiffsmuseum hat geöffnet. Die Australier haben keine lange Geschichte, so haben sie eine Vorliebe für Schiffswracks, die vor ihrer Küste gesunken sind und erzählen ausführlichst deren abenteuerliche Geschichten.
Auch in Fremantle gibt es zwei Gratisbuslinien, den Red Cat, der eigentlich grün ist, und den Blue Cat, der rot ist, was eine Japanerin neben mir gar sehr amüsiert. Das Riesenrad im Park dreht sich noch, später wird es wahrscheinlich wegen Unrentabilität abgebaut werden. Natürlich haben wir die 40 Grad wieder erreicht.
Nico muss arbeiten. Wir legen einen Ruhetag ein und hängen im Garten herum. Die Hitze macht uns zu schaffen, doch gibt es ja einen Gartenschlauch. Wir hören, dass der Cottesloe Beach gesperrt ist, da man 8 Hammerhaie gesichtet habe und ein toter Tigerhai ohne Kopf an den Strand gespült wurde.
Alle miteinander machen wir wieder einen Tagesausflug. Diesmal geht es zu den Pioneers (den ersten Siedlern) nach Toodyay. Diese kleine Stadt ist im Weizengürtel von Westaustralien im Avon Valley gelegen, 85 km nordöstlich von Perth. Die erste Siedlung entstand 1836, für Australien ein Methusalemalter. Wir besichtigen das kleine Museum, das hauptsächlich aus einem Gefängnis besteht und hören, dass genau vor drei Jahren am 29. Dezember 2009 bei einer Außentemperatur von 45,4 Grad Celsius ein gewaltiges Bushfeuer ausbrach, dem 3.000 Hektar Wald und 38 Häuser zum Opfer fielen.
Ich glaube wir hatten die gleiche Temperatur, als wir auf der Anhöhe des Drummond Memorials einen schattigen Baum ausfindig machten und Nicola das beste Bier der Welt aus ihrer Kühltasche zauberte.
Die Heimfahrt über Northam brachte uns am Pioneers Friedhof und anderen „Sehenswürdigkeiten“ wie Ruinen (alte Mühlen) oder Felsen, auf denen zwei Pioniere von Ureinwohnern aufgespießt wurden, vorbei. Da die Australier nur eine 200 jährige Geschichte haben, verkaufen sie eben alles, was für Touristen nur irgendwie interessant sein könnte, als Sehenswürdigkeit oder historische oder gar archäologische Stätte!
Gut, dass die Klimaanlage in Arthurs Auto funktioniert, trotzdem brauchen wir die abendliche Abkühlung am Hausbeach bis zum Einbruch der Dunkelheit um 20 Uhr.
Nach der Sonntagsmesse bei Pfarrer Francis kann man bei den Temperaturen nur an den Strand fahren. Der Cottesloe Beach ist heute übervoll. Hunger hat man keinen, doch trinken wir Unmengen von Wasser, allerdings haben wir spezielle Wasserflaschen mit Filtern. Erst am späten Nachmittag werden noch Burgers gegrillt.
Silvester. Die ganze Nacht haben wir geschwitzt und nur wenig geschlafen. Maria und ich fahren mit dem Bus, der Bahn und wieder mit dem Bus nach Rockingham, ca 25 km südlich von Fremantle.
Eigentlich wollten wir uns das Mietauto ansehen, doch die haben geschlossen. So machen wir einfach Stadtbesichtigung und Baden am Jetty Beach. Der Sand am Strand ist glühend heiß, barfuß nicht auszuhalten.
Wir sitzen bei einem Emu Export Bier auf einer Bank. Da ruft uns die freundliche Kellnerin vom Fish and Chips nebenan zu, wir könnten uns ruhig in ihren schattigen Schankgarten setzen, wo es bequemer wäre. So nett können Australier sein.
Die Heimfahrt dauert länger wegen eines Oberleitungsschadens, wir steigen in einen Oldtimerersatzbus ein, der keine Klimaanlage hat.
Silvester feiern wir mit Nicos und Arthurs Freunden an einem lieblichen privaten Beach am Swan River. Eigentlich gehört der kleine Park zu einem Hotel, doch in Australien hat jeder per Gesetz überall Zugang zum Wasser! Die Kinder tummeln sich im Wasser, wir Erwachsene stoßen mit den anderen auf das neue Jahr an, tauschen Appetithäppchen (wie Kängurubällchen) aus und genießen den Blick auf den nächtlichen Mosman Park am anderen Ufer.
Im Mosman Park, dem Prominentenviertel von Perth, wohnt auch die reichste Frau Australiens, eine Nachfahrin des berühmten Lang Hancocks, der 1952 die riesigen Eisenerzvorkommen in Nordaustralien entdeckte und somit in den 1960er Jahren mehr Eisenerzvorkommen besaß als die Vereinigten Staaten und Kanada zusammen, wie Bill Bryson in seinem Buch „Frühstück mit Kängurus“ beschreibt. Sie soll hier ein 35 Millionen Dollar Domizil bewohnen (allein die Deckenlampen hatten drei Millionen Dollar gekostet ). Von solchen Reichtümern können wir natürlich nur träumen, und so träumen wir ins neue Jahr hinein.
Neujahr. Den Neujahrstag verbringen wir Tiroler ganz untypisch am Strand. Endlich fallen ein paar Tropfen Regen.
Maria und ich fahren mit dem Bus nach Perth, um fast den ganzen Tag im Nationalmuseum zu verbringen. Es gibt da so Vieles zu besichtigen, dies zu beschreiben den Rahmen hier wohl sprengen würde. Ein paar wenige Bilder mögen einen kleinen Eindruck vermitteln.
In der Stadt schauen wir noch einem Clown auf einem Einrad zu, der die Massen anzieht.
Die reichste Stadt der Welt hat auch Vieles übrig für ihre Kinder, siehe den Wasserspielplatz mitten in der Stadt.
Unser eigentliches Abenteuer beginnt. Arthur bringt uns nach Rockingham, unser Mietauto bei der Firma „Go Camper“ abzuholen. Es stehen zwei Modelle zur Verfügung: ein nagelneuer Toyota Hiace mit Aufstelldach, für vier Personen zugelassen, und ein älteres Modell für zwei Personen, dafür aber praktischerer Einteilung. Maria entscheidet sich für das zweite.
Doch die Klimaanlage ist defekt. Paul, der Chef, will das aber am Nachmittag richten, wenn wir nochmals vorbei kämen. Er warte noch auf ein Ersatzteil. Da wir sowieso Richtung Süden fahren wollen, passt das. Wir bezahlen mit Kreditkarte und müssen auch einen Bond von 5.000 Dollar leisten. Das Auto ist gewöhnungsbedürftig: Noch nie hab ich ein Automatikmodell gefahren und schon gar nicht rechtsgesteuert auf der linken Straßenseite. Ich verwechsle ständig den Blinker mit dem Scheibenwischer, doch - Gott sei Dank – nicht die Straßenseite! Aber auch für meinen Beifahrer ist die Situation nicht einfach! Bei Maria ist am Anfang die Angst mitgefahren! Wir beladen das Auto bei Nicola mit unseren persönlichen Sachen, kaufen noch etwas Proviant ein und kehren wieder zurück nach Rockingham. Paul fährt zum Mechaniker, den eingetroffenen Bestandteil für die Klimaanlage einzubauen, kommt aber nach eineinhalb Stunden zurück mit der Hiobsbotschaft, dass es gröber fehle. Es gibt also nur zwei Möglichkeiten: das weniger praktische Modell zu nehmen oder ohne Klimaanlage zu fahren. Wir entscheiden uns für Letzteres und sollten es nicht bereuen. Paul muss mir noch die Zweitbatterie wechseln, damit der 300W Wechselrichter einwandfrei arbeitet. Dann geht es los. Da wir es nicht eilig haben, schauen wir uns noch etwas in Rockingham um und fahren zum Point Peron, wo wir uns umschauen und schließlich abendessen. Übernachten allerdings darf man in Australien nur an dafür vorgesehenen Plätzen wie Carparks oder Restareas. So fahren wir noch Richtung Mandurah und bleiben an einer Restarea am Forrest Highway. Wir können das Dach aufstellen und verbringen eine von der Temperatur her angenehme und ruhige erste Nacht.
Nach einem opulenten Frühstück fahren wir auf der alten Küstenstraße zurück nach Mandurah, für das wir am Vortag keine Zeit mehr hatten. Mandurah ist ein wunderschönes Küstenstädtchen mit einem herrlichen Strand, der es uns natürlich angetan hat. Wir können schwimmen, den Grill benutzen und auf der Strandpromenade flanieren.
Ein Vergnügungspark, der dem Wiener Prater ähnelt, macht auch uns neugierig.
Dann fahren wir weiter zum Yalgorup National Park, wo es im Lake Clifton 2.000 Jahre alte Thromboliten im Wasser zu bestaunen gibt, deren Vorgänger sogar 600 Millionen Jahre alt sein sollen. Thromboliten werden auch lebende Steine genannt und sind verantwortlich für Sauerstoffproduktion, der ja für das Leben auf der Erde notwendig ist. Deshalb kann man Thromboliten auch die ältesten Lebewesen der Erde nennen.
Nach einem sehr schönen Urlaubstag kehren wir zum Schlafplatz vom Vortag zurück.
Weiter nach Süden kommen wir nach Bunbury, wo wir am Jetty Beach Halt machen zum Baden.
Ich besteige auch den Aussichtsturm am
Marlstone Hill, um ein paar nette Bilder zu schießen.


Im Nab Shopping Centre versorgen wir uns mit Proviant, tanken noch auf
und erreichen eine Pinien Picnic Area am Ludlow Tourist Drive
bei Busselton, wo 6 weitere Camper schon da sind. Einer davon
ist ein französischer Aussteiger, der so traurig drein schaut,
dass wir ihn mit einem kühlen Bier aufmuntern. Auch mit einem
Computerfachmann, der in seinem Wohnanhänger schon ein Jahr
unterwegs ist, kann man sich gut unterhalten.
Dreikönig. Wir fahren der Küste entlang nach Busselton, wo wir einen Wasserhahn finden und unseren Vorrat decken. Es regnet bei schwülen 30 Grad. Auf der Straße nach Dunsborough kommen wir wieder zu einem Vergnügungspark, wir machen Halt im wunderschönen Strand von Dunsborough, bevor wir in den Leeuwin Nationalpark hinein fahren.
Auf einem Hügel eröffnet sich plötzlich eine Kulisse von unglaublicher Schönheit vor uns. Unter uns zeigt sich der Indischen Ozean in einer wildschönen Inszenierung. Eine rauhe Bucht mit haushohen, von der Brandung geschliffenen Felsen, meterhohe Wellen, vom Sturm aufgepeitscht, Yallingup, ein Eldorado für die Windsurfer, liegt uns zu Füßen. Wir haben kaum einmal so etwas Schönes gesehen.
Vom kleinen Parkplatz aus führt der Torpedo Trail zwischen Buschwerk und Steinen und eröffnet immer wieder neue Aussichten. Etwas oberhalb liegt zwischen den schützenden Hügeln, in das satte Grün gebettet, das Dörflein Yallingup.
Beeindruckt von dieser unerwarteten Naturschönheit fahren wir weiter nach Süden, vorbei an Emu- Pferde-, Lama-, Ziegen-, Schafe-, Hühner-, Kühe- und Pferdefarmen, sowie einem Hirschgehege, bis die Wineries (Weinfarmen mit Verkostung) bei Wilyabrup beginnen.
Margret River ist ein beliebtes Ausflugsziel für die Westaustralier, viele Städter haben da ihre Wohnwagen stehen, um ihre verlängerten Wochenenden zu verbringen. An der Cave Road befinden sich auch mehrere Tropfsteinhöhlen, für die auch Führungen angeboten werden.
Wir nächtigen am Bussel Highway, wo wir mit Kängurus und dem Lachenden Hans Bekanntschaft machen. Das hier ist allerdings der liebliche Blue Wren oder Splendid Wren, der in Margret River manche Weinflasche und auch ein Ortswappen ziert.

Und noch seltsamer ist sein Bewohner. Wir nennen ihn einfach Robinson.
Er ist schon 20 Jahre in seinem Wohn-LKW unterwegs, verdingt sich zeitweise an einen Zirkus und ist ein echter Lebenskünstler. Barfuß bewegt er sich im Gestrüpp, wäscht sich im nahen Bächlein und ziert sein Vehikel mit allerlei Wurzelgebilden und Schnitzereien. Sein bescheidenes, freundliches Gemüt macht ihn sympatisch.
Die Fliegen sind lästig, man kann ihnen eigentlich nur entfliehen, indem man weiterfährt und Zugluft macht. Am Straßenrand liegen wieder vermehrt tote Kängurus. Wir müssen besonders so ab 17 Uhr, wenn sie aus dem Gebüsch auftauchen, gut aufpassen, da wir keinen Känguruschutz haben.
Vorbei geht es wieder an wunderschönen Wineries:
Unser Campingführer beschreibt einen netten Parkplatz etwas abseits von der Straße bei Rooney`s Bridge, den wir zur Rast aufsuchen wollen. Doch die Zufahrt ist kriminell, wir müssen umkehren. Dabei passiert es. Im abfallenden Gelände bleibe ich hängen. Nur mit Mühe komm ich mit Marias Schiebehilfe wieder los!
In Pemberton könnte man den Gloucester Tree besteigen. Dafür haben wir aber jetzt keine Lust. An einem Parkplatz möchte Maria wieder mal kochen, wir haben eine Pause und einen Kaffee nötig.
Das Wasser ist erst lau warm, da ist das Gas zu Ende. Und wir sind weit von jeder Siedlung entfernt. Fast hätten wir einen englischen Fluch ausgestoßen. Weiter.
Endlich erreichen wir Walpole. Ein IGA Kaufhaus. Da kann man die Gasflasche füllen lassen. Vor Freude nimm ich auch einen Karton Emu Export mit, das Richtige für Maria, denn nach zwei Emus geht es ihr wieder besser. Jetzt kann endlich fertig gekocht und gegessen werden. Den berühmten Tree Top Walk über den Baumkronen im Valley of the Giants lassen wir auch aus. Wir wollen noch Parry Beach erreichen. Wegen der wunderschönen Lage am Ozean ist der Campingplatz schon voll, doch um ein paar Dollar gibt uns der Caretaker, eine alte, bucklige Frau, doch noch einen Platz, wir brauchen ja keinen großen.
Unsere Nachbarn sind wohl eine Großfamilie und sitzen um ein großes Lagerfeuer, ein gefährliches Abenteuer nach all den Radiomeldungen über die Buschfeuer in anderen Teilen Australiens. Ich stelle unser Auto jedenfalls abfahrbereit auf. Es geht laut zu, wir fühlen uns wie Gypsies, und ein hektischer Tag geht zu Ende.
Um 20 Uhr ist es stockfinster. Jetzt gibt’s auch für mich als Fahrer noch ein Emu, dann fallen uns die Augen zu.
Nach dem Frühstück suchen wir den wunderschönen Strand auf und machen einen langen Spaziergang.
Nach dem anstrengenden Vortag, wollen wir heute nicht weit fahren. So suchen wir gleich den nächstgelegenen Campingplatz auf, Torbay Inlet, an einem Binnensee gelegen mit Verbindung zum Meer, sehr nett, aber ziemlich überfüllt, obwohl es nur eine Pit Toilette gibt.
Viele Fischer versuchen hier ihr Glück. Fischen darf man in Australien (fast) überall, und zwar ohne Karte. Wir fühlen uns wohl an diesem beschaulichen Platz und amüsieren uns, wie die drei Japanerinnen neben uns auf dem Kleinauto ihr Dachzelt aufspannen und ihr Abendessen zubereiten. Wir fühlen uns in unserem auch sehr kleinen Womo wie in einem Hotel.
Eines unserer großen Reiseziele ist erreicht, Albany, an der Südküste. Jeder Australier kennt es, jeder schwärmt davon, wie schön es da sei. Wir empfinden es als windig und kühl.
Die Siedlung verteilt sich auf mehrere Hügel, die Rocks mit seltsamen Formen aufweisen. Am Dog Rock finde ich ein Internetcafe, wo ich bei einem Capuccino endlich ein paar E-mails verschicken kann, Lebenszeichen, auf die unsere Kinder sicher schon lange warten.
Der Middleton Beach ladet zum Baden ein, und erstmals ist uns nach einer kalten Dusche, die es an jedem Beach gibt, in Australien zu kalt. Zum Kaffee bleiben wir gern im Auto sitzen. Wir machen noch eine Sightseeingtour, am scenic Marine Drive, vorbei am Hafen, wo jährlich bis zu 400 Millionen Tonnen an Gütern umgesetzt werden.
Am Abend fahren wir zum nahe gelegenen Two People`s Bay. Über eine kurze Waschrumpelstrecke fällt der Weg steil ab zum Meer, wo sich uns ein kleines Paradies eröffnet. So ruhig und idyllisch ist es hier, dass man bleiben möchte. Maria richtet eine Reispfanne, die mit einem Emu Export köstlich schmeckt. Wir fühlen uns rundum wohl und schlafen ausgezeichnet. Australien zeigt sich von einer gnädigen Seite.
Vier Wochen sind wir schon in Australien. Auf der Rumpelpiste zurück begegnen uns ein Hase, ein Fuchs, Papageien und natürlich Kängurus. Frühstück in Wellstead. Unterhaltung mit einer Frau in Jerramungup, die einen OP Shop betreut. Es fallen uns zum erstenmal die Road Trains auf, die 53,5 m langen Trucks mit 16 und mehr Achsen.
In Ravensthorpe biegen wir vom South Coast Highway auf die Straße nach Hopetoun am südlichen, tiefblauen Ozean. Dort treffen wir eine junge Deutsche, deren Vater ein Haus in Wenns besitzt und die auch Fließ kennt. Sie werde bald heiraten und in Hopetoun bleiben.
Eine kühle Brise weht von Meer herauf und hält uns ab vom Baden. Wir nehmen die Southern Ocean Road, eine neuangelegte Traumstraße, die aber leider nach 20 km in eine staubige Sandpiste über geht. Der schneeweiße Sand ist so grell, dass er den Augen weh tut und ergibt mit dem Blau des Meeres und dem Grün der Bäume und Büsche ein fantastisches Farbenspiel. Leider ist die Weiterfahrt auf der Waschbrettrumpelstraße kein Genuss mehr. Endstation ist Starvation Bay, ein Camp in der Wüste ohne Wasser und Strom, aber von Campern überrannt, dass wir nur mit Mühe noch einen Stellplatz finden.
Hierher kommen die Fischer mit ihren Motorbooten, es herrscht ein hektisches Treiben an diesem schönen Strand. Es werden sogar Kamelritte angeboten. Ein Skunk quert gemütlich unseren Weg.
Unser nächstes Ziel ist Esperance. Drum wollen wir die Gravel Road (Rumpelpiste) hinter uns bringen und starten früh am Morgen Richtung Munglinup. Aber erst in Jerdacuttup kommen wir auf Asphalt. Und erst jetzt gönnen wir uns ein Frühstück.
Übrigens zieht sich hier von der Südküste bis zur Nordwestküste Australiens (bis Port Headland) der Rabbit-proof Fence, der von 1901 bis 1907 gebaut wurde, um Kaninchen und andere landwirtschaftliche Schädlinge vom Osten Australiens von den Weideflächen des Westens fern zu halten. Er erstreckte sich über 1834 km. Und das alles wegen des Leichtsinns eines Herrn Thomas Austin, der 1859 in Victoria 24 Wildkaninchen importierte und in die Freiheit entließ, um sie zu jagen. Schon 1880 waren 2 Millionen Morgen Land kahl gefressen und 1890 nach zehn Jahren Trockenheit 35 Millionen Schafe verendet. Erst 1950 brachte man aus Südamerika eine Wunderwaffe, die Myxomatose (Kaninchenpest). Die Sterblichkeitsrate war 99,9%, das Land war im Nu übersät mit Hasenleichen. Doch die überlebenden waren immun gegen die Krankheit, und heute gibt es wieder Millionen von ihnen, und ihre Zahl steigt rapide.
Esperance, gegründet von Goldsucherpionieren, ist bekannt für seine schneeweißen Strände und wird von Tauchern und Surfern geschätzt. Im Jänner 2007 aber wurde Esperance von einem Sturm mit Regenfällen von 155mm innerhalb von 24 Stunden heimgesucht, Flutwellen zerstörten 100 Häuser und mehrere Schiffe, fällten viele Bäume, rissen 35 m einer Brücke am South Coast Highway weg und kappten das Stromnetz und die Wasserleitungen.
Und 1979 fielen schon Teile der abstürzenden Raumstation Skylab auf Esperance, weswegen die USA auf Schadenersatz geklagt wurden.
Wir spazieren den 842m langen Steg am Jetty Beach hinaus, der 1935 gebaut wurde und bis 1960 dem alten Hafen diente. Dann wurde ein neuer Hafen gebaut. Am Jetty tummeln sich heute nur mehr Touristen und natürlich Fischer. Sammy, der zahme Seelöwe, erheitert die Gemüter und lässt sich füttern.
Die privaten Caravanparks sind leider sehr teuer, und in Stadtnähe gibt es keine billigeren Stellplätze für Wohnmobile. So fahren wir nach einer Sightseeingtour noch ca 180 km nach Norden Richtung Kalgoorlie. Wir bleiben auf der Rest Area von Kumarl, einem großen Platz, wo auch riesige Wohnmobile stehen. Das polnische Ehepaar neben uns hat aber nur einen kleinen Kombi gemietet, mit dem es schon drei Monate von Sydney aus unterwegs ist. Und dagegen haben sogar wir ein Luxusgefährt.
Nächster Stop ist Dundas Rocks, dem Ort der großen Steine. Ein schmaler Track führt etwas weiter auf eine weite Ebene. Hier hat sich zur Pionierzeit der Goldsucher eine ganze Stadt befunden, in einer Gegend, wo es kein Wasser, ja eigentlich gar nichts gibt.
Von dieser Zeit zeugen aber heute nur mehr die alten Straßenschilder. Wir lesen, dass ein Norweger namens Laurie Sinclaire am 12.12. 1863 mit seiner Frau und fünf Kindern sowie seinen Eltern seine Heimat verließ und auswanderte, um in dieser Gegend Gold zu suchen. Sein Pferd Hardy Norseman hat ihm dabei gute Dienste geleistet. Als es eines Tages nach jahrelanger vergeblicher Suche etwas zu hinken schien, untersuchte Sinclaire seinen Huf, in dem tatsächlich ein Goldnugget steckte. Das Gold wurde abgebaut, die Stadt Norseman gegründet und nach dem Pferd benannt, doch Sinclaire wurde nie richtig reich und starb 1923. Doch wird er als großer Pionier gefeiert, ein Stadtteil von Esperance ist nach ihm benannt, wo sicher noch seine Nachfahren leben.
Es ist ein kühler, verregneter Vormittag. Der Mann vom Visitor Centre in Norseman erläutert uns die Goldmine von Norseman und macht uns aufmerksam, dass man in Widgiemooltha den Golden Eagle, den größten (35,5 kg) je in Westaustralien gefundenen Goldnugget, entdeckt habe. Entdeckt wurde er von einem 16 Jahre alten Jungen namens Jim Larcombe am 15. Jänner 1931. Heute befindet sich in Widgiesmootha ein Roadhouse, das damit Werbung macht, aber über den Golden Eagle wissen sie eigentlich gar nichts.
Auf einer schönen Parking Area vor Kargoorlie erholen wir uns von den Strapazen des Tages und machen uns bei Regen noch einen gemütlichen Abend.
Sonntag. Auf der Fahrt nach Kalgoorlie kommen wir an einem Truck im Straßengraben vorbei.
Kalgoorlie ist die Goldstadt, seit ein gewisser Hannan 1893 hier das erste Gold fand. Noch wertvoller als Gold ist hier Wasser. Da es weit und breit keines gibt, hat ein Herr O`Connor, ein irisch-australischer Bauingenieur, schon 1890 beim Goldrush mit der Planung einer Wasserpipeline von Mundaring in den Perth Hills bis zum Speicher auf dem Charlottenberg in Kalgoorlie begonnen. Das ist eine Strecke von sage und schreibe 650 Kilometern. Sie ist bekannt als Golden Pipeline Heritage Trail, und auch wir sind sie entlang gefahren, am Great Western Highway. Den Mount Charlotte haben wir auch aufgesucht.
Das Museum in der Stadt wäre natürlich allein wert, einen ganzen Tag zu verbringen. Wir haben zumindest drei Stunden darin verbracht und uns hauptsächlich mit den Goldsucherpionieren befasst,
bevor wir auf den Super Pit hinaufgefahren sind. Von da oben sieht man das beeindruckende Loch der größten Tagbaugoldmine des Landes, 3,2 km lang, 1,4 km breit und 330 m tief. Sie produzieren 850.000 Unzen reines Gold pro Jahr. Wenn ich richtig umrechne, sind das bei 25 Tonnen! Besser als jede Beschreibung ist für Interessierte die Homepage, auf der man sich gründlich informieren und eine beeindruckende virtuelle Tour durch den Super Pit machen kann. http://superpit.com.au/
Im Bild ein „Widowmaker“ (ein Witwenmacher), wie die Bohrer wegen des gefährlichen Staubes, der die Lungen der Arbeiter kaputt machte, genannt wurde.
Boulder ist der etwas andere Stadtteil, in dem man mehr Aborigines antrifft. Beide Stadtteile sind zusammengewachsen. Daher heute der Doppelname.
Kalgoorlie - Boulder ist auch die einzige Stadt Westaustraliens, die einen 24 Stundenparkplatz mitten in der Stadt anbietet, den wir natürlich bereitwillig akzeptieren. Drum kann man hier auch mal einen Nachtspaziergang machen, ohne nachher weiter fahren zu müssen.
In Coolgardie hat man schon ein Jahr früher, nämlich 1892, das erste Gold gefunden. Wir kommen am Pioneer Park mit Freilichtmuseum vorbei. Aber es regnet.
Im Boorabbin National Park erfahren wir, dass es am 28. Dezember 2007, nachdem es drei Jahre (!) nicht geregnet hatte, ein verheerendes Buschfeuer gab, bei dem nicht nur fast 40.000 ha Buschvegetation bis zum 8. Jänner verbrannten, sondern auf tragische Weise auch drei Truckfahrer ums Leben kamen. Die Ironie wollte es, dass wir hier schon den dritten Regentag hatten!
Wir besichtigen eine der 8 Pumpstationen der Golden Water Pipeline. Man betrieb die alte Pumpe erst mit Dampf aus Holz (LKW Waage), dann aus Kohle (seit der Eisenbahn), später wurde sie elektrifiziert. Auch die elektrische Pumpstation musste schon erneuert werden. Während des zweiten Weltkrieges musste die Pipeline streng bewacht werden, man hatte Angst vor einer Vergiftung.
Wir erreichen Southern Cross, den ersten größeren Ort am Great Western Highway. Da entdecken wir einen wunderschönen Park mit schattigem Pavillon und BBQ, der zum Verweilen einlädt. Vormittag hatte es in Strömen geregnet, jetzt hat es eine Affenhitze, in der Nacht blitzt und donnert es zum Fürchten.
Wir passieren Moorin Rock, ein verschlafenes Containerdorf mitten in der Pampa, dann begegnen wir wieder dem Rabbit-proof Fence, dem Hasenzaun, dem längsten Zaun der Welt.
Wir liegen in Merredin im Auto im Schatten eines Baumes im Apex Park und können uns vor Hitze nicht bewegen. Gut, dass noch ein kaltes Cola im Kühlschrank ist. Ein Truckfahrer außer Dienst wartet, während seine Frau einkauft, und erzählt uns, dass es im Norden auch Roadtrains mit über hundert Meter Länge gibt. Er wohnt 40 km südlich, da gibt es nur drei Häuser. Er transportiert hauptsächlich Weizen nach Perth, der dann aufs Schiff und nach China geht. Am Rückweg ladet er Phosphatdünger für die Farmer.
Wir raffen uns auf zu einer kleinen Wanderung auf den Wasserfelsen südlich von Merredin. Das ist eine kahle, glatte Felsenkuppe, von der die Bewohner das Regenwasser sammelten, um die Dampfmaschinen der Bahn zu betreiben. Rund um den Felsen haben sie auf raffinierte Weise, das Wasser gesammelt und in ein Becken geleitet.
Schon beginnt es zu donnern, und wir fühlen uns auf dem nackten Felsen nicht mehr sicher. Wir flüchten ins Auto und fahren zur nächsten Restarea bei Hines Hill.
Da bricht schon ein heftiges Gewitter an, es regnet wie aus Kübeln und blitzt und donnert zum Fürchten. Obwohl wir das Dach schließen, sind wir nicht mehr unter Dach. Es ist alles feucht und nass. Gut dass wir am nächsten Tag bei Nicola sind und waschen können.
Letzte Etappe unserer ersten Reise. Wir fahren durch den Wheatbelt, dem Weizengürtel mit den unendlich großen Feldern und den riesigen Getreidesilos. In Meckering machen wir Station, weil ich gelesen habe, dass es da ein schweres Erdbeben gegeben habe. Tatsächlich war das Beben vom 14.10.1968 um 10 Uhr 59 a.m. mit einer Magnitude von 6,9 zwar nicht das größte Beben der Geschichte Australiens, doch das signifikanteste, was die Zerstörung und geologische Auswirkung betrifft. Es gab 40 km lange Risse bis zu 1,5 m Breite und Verschiebungen, die zum Teil heute noch sichtbar sind. Und Meckerings Bevölkerung von damals 240 Personen erlitten immensen Schaden, wenn es auch keine Toten gab. Es gab nur 20 Verletzte. Aber sämtliche Häuser, die Wasserpipeline, die Eisenbahnschienen und Straßen sowie landwirtschaftliche Flächen wurden arg zerstört. Sogar im 130 km entfernten Perth fiel das 90 kg schwere Kreuz von der St. Mary`s Cathedral.
Ein schöner Rosengarten erinnert in Meckering an die geliebten Verstorbenen.
An der 70.000 Einwohnerstadt Northam und an Mundaring, dem Beginn der Golden Water Pipeline, vorbei nähern wir uns Perth und kommen am Nachmittag bei Nicola und Arthur an. Große Freude auch bei den Kindern Constantin, Aurel und Ruben.
Wir brechen zu einem neuen Abenteuer auf. Eigentlich wollten wir zusammen mit Nicola nach Norden reisen , doch der Zeitplan und damit unser verschiedenes Tempo passen nicht zusammen. Wir werden versuchen, dass wir uns in Exmouth oben treffen, ansonsten sehen wir uns erst am 6. Feber wieder.
Wir erledigen in Fremantle noch Einkäufe und fahren dann die Küstenstraße nach Norden, durch das Prominentenviertel Mosman Park, vorbei an unserem bekannten Cottesloe Beach, in die neuen Stadviertel von Groß-Perth, wo zur Zeit gebaut und gebaut wird. Wir haben das Gefühl, die bringen das Geld nicht fertig. Die Ziegelfabriken kommen mit der Produktion nicht mehr nach. Perth ist ja vielleicht die reichste, aber auch die teuerste Stadt Australiens mit dem höchsten Wohncomfort.
Im Tom Simpson Park in Mullaloo grillen wir fürs Mittagessen.
Aber die starke Brise vom Meer herauf jagt uns zurück ins Auto. Es ist einfach schön, am Ocean Reef, einem Kite Surf Paradies, entlang zu fahren. Dann kommt plötzlich ein Display Village, eine Musterstadt wie aus dem Boden gestampft mit Einkaufszentrum beim Kreisverkehr zum Yanchep Beach. Eine nagelneue Nirosta Brücke führt über einen kleinen Graben und bietet einen Blick auf den Indischen Ozean, wir müssen uns aber am Geländer festhalten, damit uns der Sturm nicht herunterwirft.
Am Two Rocks hat ein gewisser Leeman 1658 nach Überlebenden einer Schiffskatastrophe gesucht, doch hat er die 69 Matrosen nie gefunden. Er hat nicht einmal gewusst, wo er sich befindet. Erst 1963 hat man das Wrack gefunden. Den Jachthafen überragt eine riesige Neptunstatue, der Meeresgott hat alles im Griff.
Auf der Restarea zwischen Wilbinga und Woodridge finden wir ein bequemes Nachtquartier.
Den Indian Ocean Drive geht es nach Norden. Sanddünen, weiß wie Gletscher, tauchen vor uns auf. Es ist ein überwältigendes Panorama entlang der erst vor zwei Jahren eröffneten Traumstraße, die in den Namburg National Park hinein führt.
Und dann die Pinnacles! Zirka 16 km vor Cervantes zweigen wir ab auf die neue Straße zu den seltsamen Steingebilden der Pinnacles inmitten einer Sandwüste. Gern zahlen wir am Eingang die elf Dollar, die sich lohnen. Erstmals sind wir mit dem Auto durch die Wüste gefahren, eine Rundfahrt auf der Hansen Road zwischen den bizarren Steinsäulen durch. Es ist traumhaft schön. Der Steineliebhaber Hubert (Pinzger) wäre hier wohl ausgeflippt! Aber Bilder sagen mehr als viele Worte. Und im Visitor Center sind die Entstehung sowie die Tierwelt einmalig schön dokumentiert.
Wir nächtigen am Cliff Head, einem Busch Camp direkt am Meer, dort wo die Fischer zu Hause sind und träumen von unserem Wüstenerlebnis, das wohl ein Highlight unserer Reise war.
Wir eilen weiter nach Norden, vielleicht treffen wir dann Nicola und passieren Cervantes, Jurien Bay, Green Head, Leeman und Dongara. In Greenough kommen wir an einem Privatzoo vorbei, fotografieren einen „Leaning Tree“, eine Eukalyptusart, die sich den starken Winden gebeugt hat.
Geraldton ist nach Perth die einzige größere Stadt. Wir machen nur eine Kurzbesichtigung mit dem Auto und sehen am Westend Beach die Reiter im Meer. Zum Schwimmen ist es hier zu wenig einladend, drum fahren wir zum Back Beach, wo sich die Wellenreiter treffen. Wir füllen unsere Wasservorräte auf und fahren weiter. Vor Northampton zweigen wir ab nach Yallabatharra (man beachte den herrlichen Aboriginal Namen), wo wir unseren „Taliban“ (wegen seines Turbans) treffen, der uns etwas über die Gebäuderuinen erzählen will, über den wir aber nicht klug werden und deshalb lieber das Weite suchen.
Hier, was ich selber nachgelesen habe: Das Lynton Convict Depot war 1853 bis 1856 in Betrieb, wo Strafgefangene in einem Gefängnis gehalten wurden, die in der benachbarten Geraldine Zinn Mine arbeiten mussten oder von Farmern angeheuert und wie Sklaven gehalten wurden, ein wenig rühmliches Geschichtskapitel in Westaustralien. Wegen der rauen Lebensbedingungen – nicht einmal die wildwachsenden Melonen kann man essen – wurde das Ganze auch so schnell wieder geschlossen. Die meisten Gefangenen wurden wieder nach Fremantle zurück geschifft, während sich der Superintendent des Depots, H.A. Sanford, die komfortable Lynton Homestead gerade um die Ecke aufbaute, die man heute noch besichtigen kann.
So wenden wir uns lieber den Naturschönheiten der wildromantischen Felsenküste nach Kalbarri zu. Diese wurde erst kürzlich durch neue Zufahrten und Parklätze für Touristen zugänglich gemacht. Die Formationen tragen auch bezeichnende Namen wie Natural Bridge, Rock Island, Castle Cove, Rock Tower, Mushroom Rock oder Shell House.
Eine Kängurumutter mit ihrem Kind lässt sich vom Auto aus fotografieren.
Kalbarri liegt an einer kitschig blauen Bucht an der Mündung des Murchison Rivers und hat natürlich seine touristische Attraktion entdeckt und vermarktet. Tausende Jahre lang haben Aborigines die Gegend bewohnt, die die Traumgeschichte von der Regenbogenschlange erzählen, die den Murchison Fluss geformt hat.
Hier gibt es die tägliche Pelikanfütterung und den Rainbow Jungle, das Australische Papageienzucht Zentrum. Im Kalbarri Nationalpark findet man auch den berühmten Zbend, einen Walk zum Lookout mit dem berühmten Nature`s Window, einer Felsformation, durch die man den Murchison mit seinen Schluchten überblicken kann.
Maria will noch kochen, so queren wir den Nationalpark und bleiben an der Brücke über den Murchison, auf dem wir schwarzen Schwänen zuschauen.
Sonntag. Es ist heiß, heiß, heiß, und die Fliegen sind unglaublich lästig. Ich benütze den Laptop als Navigation, der mir gute Dienste leistet. Heute aber lässt er mich im Stich. Schwarzer Bildschirm. Er reagiert auf keine Taste mehr, nicht einmal abschalten kann ich ihn. Am Roadhouse Billabong machen wir Rast, ein Internetcafe ist angeschrieben. Ich nehme meinen Laptop mit, doch Internet gibt es keines. Immerhin kennt sich der Koch ein wenig aus und empfiehlt mir, den Akku vom Laptop kurz zu entfernen. Nach dem Wiedereinsetzen startet er tatsächlich wieder. Der Capuccino hat sich gelohnt.
Wir lassen Denham und Monkey Mia links liegen und fahren die schrecklich monotone Gegend durch bis Carnarvon. Tote Kängurus, Ziegen und Schafe, sogar tote Kühe säumen den Straßenrand auf beiden Seiten. Eine anstrengende Fahrt geht zu Ende, Maria zeigt ihre Kochkünste, Aboriginies Kinder betteln uns um Zigaretten, und wir fallen todmüde ins Bett.
Ein Lastwagen fährt vor mit drei 200 l Fässern. Ein Ehepaar holt Trinkwasser. Sie kommen vom Bush Bay, 40 km südlich, wo es kein Wasser gibt. Jetzt werden sie einen Monat lang auskommen.
Sightseeing in Carnarvon, da wir gestern zu müde waren. Auf Babbage
Island gibt es ein Eisenbahnmuseum und den One Mile Jetty
mit Bahngleisen zum alten Hafen. In eine Honesty Box kannst du 4
Dollar einwerfen, um den Steg zu benutzen. Doch nicht mal gratis
möchte ich den 1,6 km langen Steg entlang laufen. Da gibt es
vielleicht noch was anderes.
Wir fahren zum Pelikan Point und bestaunen die Dünen, dann kehren wir an die Fascine, dem City Beach, zurück. Ein aufgelassener Tramsteg führt zum Whitlock Island.
Zum Baden fahren wir noch zum Baxter Park, wo man am Wasserspielground auch duschen kann. Hier treiben sich auffallend viele Aboriginies herum. Vielleicht deshalb taucht immer wieder eine Polizeistreife auf. Wir decken uns beim Jachtclub mit Wasser ein, da wir vor der Wasserarmut im Norden gewarnt werden.
An der Minilya Bridge vor dem gleichnamigen Roadhouse finden wir einen guten Stellplatz unter einem knorrigen Eukalyptusbaum.

Der Minilya Fluss ist aber fast ausgetrocknet und verdient seinen Namen nicht mehr.
Die Distanzen in Australien sind enorm. Du fährst 100 km, und es begegnet dir vielleicht ein einziges Auto da oben. Doch wenn die langen Roadtrains mit Vollgas vorbei rattern, hältst du immer den Atem an. Es geht zwischen tausenden Termitenhügeln hindurch Richtung Exmouth.
Die Gegend wurde zuerst als Militärbasis im Zweiten Weltkrieg benutzt. Doch Exmouth wurde erst 1967 gegründet, um eine nahe gelegene US Marine Station zu versorgen, beherbergte ab 1970 auch US Air Force Personal mit dem Sonnenobservatorium von Learmonth. Heute aber leben sie vom Tourismus, wobei wir zur toten Zeit oben sind. „Nobody comes“, klagt die Frau an der Tankstelle.
Bei der Volkszählung von 2006 hatte Exmouth 1.844 Einwohner. In der Hochsaison steigt die Bewohnerzahl allerdings auf ca 6.000.
Eine Frau im IGA Geschäft erzählte vom tropischen Zyklon Vance, der am 22.März 1999 mit 267 kmh über die Stadt fegte und Überschwemmungen und gewaltigte Zerstörung verursachte, allerdings keine Todesopfer forderte. Seither gebe es auch strengere Bauvorschriften.
Wir fahren in den Cape Range Nationalpark hinein und auf der Westseite der Landzunge wieder nach Süden. 11 Dollar ist der Eintritt und 14 Dollar die Übernachtung. Arthur hat gesagt, er komme mit seinem Allradgefährt auf dem Sandtrack von Süden über Yardie Creek herauf. Drum fahren wir alle Bushcamps einmal ab, um zu sehen, ob sie schon da sind: Neds Camp, Mesa Camp, T-bone Camp, Lakeside Camp, Tulki Beach, Turquoise Bay, North Mandu, Kurrajong Camp und Pilgramunna Camp. Im letzteren bleiben wir im Sand stecken. Keine Chance, wieder heraus zu kommen. Weiter drin stecken auch noch zwei Französinnen, die versuchen, Kartons unter die Räder zu stecken, ein dilittantisches Manöver.
Da treffe ich den Koch vom Minilya Roadhouse, der sich vier Tage zum Fischen frei genommen hat. Er hat nicht nur einen 4WD, sondern auch die komplette Abschleppausrüstung bei sich. Der Rest ist nur Formsache und ein kühles Cola Wert.
Im Milyering Visitor Centre deponieren wir, dass wir im Neds Camp übernachten, sollte jemand nach uns fragen. Dort erwarten uns die Kängurus, die vor der Hitze unter die Tische und Sträucher geflüchtet sind.
Heute wird der Buchtitel von Bill Bryson am Morgen wahr, der da lautet: „Frühstück mit Kängurus“. Nach einer unmenschlich heißen Nacht in diesem wunderschönen Bush Camp mit Pit Toilette, aber ohne Strom und Wasser, besuchen die Hüpfer uns schon am frühen Morgen.
Das Ningaloo Reef ist zwar nicht so bekannt wie das Great Barrier Reef. Doch hier braucht man nicht mit einem Schiff erst hinaus zu fahren, um die Korallen zu sehen, hier sind sie im seichten Wasser in Küstennähe. Drum sind hier die Schnorchler unterwegs. Am Lakeside - ließ ich mir sagen – sei es besonders schön. Natürlich fahren wir das Stücklein nochmals zurück zum Baden, bevor wir den Cape Range Park wieder nach Norden verlassen.
Wir machen noch einen Abstecher zur Schildkröten Station, doch ist jetzt nicht Schlüpfenszeit. Vom Lighthouse, das hier seit 1904 den Schiffen Orientierung gibt, hat man einen netten Blick auf das Meer. Eine Frau hat den Leuchtturm bedient, lesen wir, und hat sich sehr einsam gefühlt, da sie nicht alle zwei Jahre einen Menschen gesehen habe.
Dann wird noch auf das Wrack der SS Mildura hingewiesen, ein Viehfrachter mit 1394 Registertonnen, der am 12. März 1907 bei einem Zyklon an den Klippen zerbrochen ist. Dabei kamen zwar keine Menschen zu Schaden, aber alle 481 Rinder gingen wortwörtlich zu Grunde. Der Kapitän hätte sich der Küste zu weit genähert, dafür musste er für drei Monate in den Knast gehen. Heute tummeln sich im Wrack hunderte junge Haie.
Wir müssen vor der unbarmherzigen Hitze fliehen, springen aber im Town Beach nochmals ins Wasser und grillen im Park. Ein kurzer Regenguss tut gut. Dann zieht es uns zurück nach Süden. Es gibt keine alternative Route zurück. Der größte Komfort, den man hier haben kann, ist ein Baum, der Schatten spendet. Aber hier im Norden gibt es keinen Baum. Wir lassen Coral Bay beiseite und bleiben wieder am Minilya Roadhouse, das wir schon kennen. Zwei junge Deutsche schlagen ihre Zelte auf und wollen ein Grillfeuer machen, was aber von Oktober bis April wegen der Buschbrandgefahr verboten ist.
Schweißgebadet erheben wir uns und haben die Nase voll vom heißen Norden. Jetzt verstehen wir, dass man zu dieser Jahreszeit nur einige dumme Touristen da oben antrifft und warum Nicola zur Antwort bekam, als sie auf die Frage, wohin ihre Eltern reisen werden, Exmouth erwähnte: „Willst du deine Eltern umbringen?“
Es liegt die unendlich weite Strecke nach Carnarvon wieder vor uns, und wir schauen, sie möglichst schnell hinter uns zu bringen. Dort wissen wir einen Wasserhahn, wo wir unseren Schlauch anstecken können für eine laue Dusche. Denn auch aus dem Hahn kommt zuerst heißes Wasser. Die Fascine zeigt sich diesmal von einer anderen Seite: Eine scharfe Brise reißt Maria das Badetuch aus dem Auto. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, fliegt durch die Luft. Wir beschließen eine Besichtigungsfahrt durch die Stadt und kommen am Pioniersfriedhof (für verdiente Persönlichkeiten) vorbei. Solche Pioneers Cemeteries gibt es en mass, und alle sehen sie gleich aus: Es ist ein Friedhof von Natur aus etwas trostlos, doch diese sind auch noch verwahrlost.
Wir biegen in die Carnarvon Road ein, die in die HMAS Sydney II Memorial Avenue übergeht. Ich muss mich erst erkundigen, worum es hier geht. Und das ist eine längere Geschichte. Jedenfalls stehen in dieser Avenue 645 Palmen mit je einem Gedenkstein für einen Matrosen der HMAS Sydney II, die am 19. November 1941 bei der Seeschlacht vor Point Quobba vom deutschen Raider HSK Kormoran versenkt wurde.
Zwar ist dieser Schlacht ein ganzer Raum im Museum von Geraldton gewidmet, doch die näheren Umstände dieser denkwürdigen Seeschlacht, bei der beide beteiligten Schiffe gesunken sind, habe ich weder am Schauplatz an der Küste von Point Quobba, noch an den Gedenkstätten in Carnavon und Geraldton und auch nicht im Westaustralischen Museum von Perth erfahren, sondern später im Internet nachgelesen: http://de.wikipedia.org/wiki/HMAS_Sydney_%28D48%29
Es gibt noch einen Überlebenden der Kormoran, Edmund Buttner, der in einem Interview für den Spiegel die dramatischen Minuten des Gefechtes eindrucksvoll schildert:
http://einestages.spiegel.de/static/authoralbumbackground/1685/showdown_in_der_haifischbucht.html
Jedenfalls gab es auf der Kormoran 317 Überlebende, während auf der Sydney nicht ein Einziger gerettet wurde, was zu wilden Spekulationen Anlass gegeben hatte.
Nachdenklich fahren wir weiter, denn wenn man eine ganze Allee entlang fährt und alle 5 Meter ein Gedenkstein für einen Gefallenen (dem Funker, dem Kommandanten, dem Koch …) steht, merkt man erst wie groß die Zahl 645 ist!
Auf dem Hügel Brown Range steht ein Riesen Weltraumspiegel und ein ebenso imposantes Weltraumohr. Wir lesen, dass es ohne diese Kommunikationseinrichtungen 1969 keine bemannte Mondlandung gegeben hätte. Die Anlagen sind schon lange nicht mehr benutzt mit Ausnahme des kleinen Observatoriums.
Wir kaufen ein, tanken voll (wenn man bei Woolworth für mehr als 30 Dollar einkauft, erhält man bei der Caltex Tankstelle einen Rabat von 8 Cent pro Liter) und bleiben auf unserem bewährten Stellplatz.
Endlich haben wir besser geschlafen, da die Hitze erträglich war. Wieder holt ein alter Mann mit zwei Hunden Wasser. Er kommt auch vom New Beach oder besser Bush Bay, als die Rangerin auftaucht, die die Gegend zu kontrollieren hat, vor allem illegale Camper vertreiben muss. Wir aber haben nur Wasser nachgefüllt und geduscht.
Hinaus geht es zu den Blowholes am Point Quobba. Unsere Freunde, zwei Deutsche und eine Holländerin, die uns schon in Carnarvon am Grillplatz aufgefallen sind, kommen auch daher. Sie haben nur ein Kleinauto mit Dachzelt und haben sich vor ihrer Reise nicht gekannt und über den Marketplace im Internet kennengelernt. Zwei Mädchen und ein Bursche in einem kleinen Dachzelt ein halbes Jahr unterwegs, das übersteigt unsere Vorstellungskraft!
Wir kommen zum Gedenkstein der Schlacht zwischen der HMAS Sydney II und der HSK Kormoran, die vor dieser Küste stattgefunden hat, und fragen uns, was die Deutschen wohl hier zu suchen hatten.
Die Quobba Station ist eine Homestead, die Kamele, Emus und Schafe halten, deren Milch nach China exportiert wird. Zur Saison betreiben sie auch einen Campingplatz mit einem Shop. Auch die riesige Saline am Macleod See ist sein Eigentum. Der Besitzer hat zwar wenig Zeit, gibt mir aber doch Auskunft auch zur HMAS Sydney II Geschichte, die ja für Australien deshalb eine große Tragödie war, da die Sydney schon die Lybische Hauptstadt bombardiert und mehrere Schiffe versenkt hatte und deshalb der große Stolz der Australischen Flotte war, ja fast als unbesiegbar galt. Und dann kommt da ein kleiner deutscher als holländischer Frachter getarnter Raider und versenkt sie innerhalb von einer Viertelstunde. Er sagt uns auch, dass hier und in Red Bluff deutsche Überlebende in ihren Rettungsbooten aufgegriffen wurden.
Im Norden gibt es sogar Farmen, die größer sind als ganz Österreich oder die Schweiz. Mit Hubschraubern kontrollieren sie ihre Herden.
Die Blowholes sind Löcher in der Felsformation an der Küste, durch die bei hohem Wellengang das Wasser in Fontänen bis zu 20 Meter in die Luft geblasen wird. Drum wird hier gewarnt vor den Kingswaves, es sind hier schon Fischer ums Leben gekommen.
Wir machen einen ausgedehnten Sandspaziergang den 1,7 km langen Korallenstrand entlang. Eine kleine Kingswave überrascht auch uns und reißt mir die Uhr vom Arm. Zurück geht es zwischen den 40 Blechhütten, die hier als Bungalows vermietet werden, aber eher einem Großstadtslum gleichen. Hier stehen auch Wohnanhänger, die das ganze Jahr bewohnt werden, die Leute wohnen hier und zahlen keine Steuern. Wir schlafen hier zwischen einem verrückten Schweizer Paar und einem alten Postbus, in dem eine Frau mit zwei Hunden wohnt. Womöglich hat sie ihr Mann hier ausgesetzt, um sie los zu werden.
Australian Day. Am 26. Jänner 1788 kam die erste Flotte mit Strafgefangenen von England in Australien an, die in der Gegend von Sydney einfach ausgesetzt wurden. Eigentlich haben sie Sydney gegründet, und – obwohl sie es nicht gerne hören - die meisten Australier stammen wohl von ihnen ab. Heute feiern sie den Spirit of Fairness and Mateship (Kameradschaft) in the Land of Oppotunities als fröhliche Party im ganzen Land.
Da können wir nicht in dieser Einsamkeit verweilen. Wir müssen zurück in die Stadt! Am Jachtclub von Carnarvon findet eine Frühstücksparty mit Musik statt, an der wir teilnehmen wollen, kommen aber etwas zu spät. Es sind aber genügend Melonen, Mangos und Bananen übrig, dass auch wir noch etwas abbekommen. Wir hören, dass die Haie manchmal bis hier herein kommen. Und etwas weiter draußen sind vor zwei Jahren auch 6 junge Leute beim Fischen gekentert und wohl durch Haie ums Leben gekommen.
Nach einem Stadtbummel und – da die Geschäfte offen haben – nach einem Einkauf lassen wir uns überreden, einen Ausflug zum Rocky Pool zu machen. Die letzten 4 km wollen wir zu Fuß machen, da sie nicht mehr asphaltiert sind und das Wetter es mit ein paar Wolken gnädig mit uns meint. Wir nehmen nur je eine Wasserflasche und einen Apfel mit. Aber schon nach einem Kilometer brennt die Sonne senkrecht auf uns nieder, und die Fliegen quälen uns bis aufs Blut. Wir werden das schon schaffen. Nach dreieinhalb Kilometern wird es merklich schlimm, es fallen uns Geschichten ein, dass sogar Einheimische im Outback ums Leben kamen, weil sie sich verirrt hatten und verdurstet sind.
Verirren konnten wir uns ja nicht, aber wir waren doch froh, dass wir ein Auto hatten hinein fahren sehen. Und jetzt kommt es heraus. Maria ist schon ziemlich am Ende und sagt, sie wolle nicht in der Wüste sterben und stellt sich mitten auf den Weg. Der freundliche Fahrer bringt uns zu unserem Auto zurück. Nach einem kalten Eiskaffee und kurzer Erholung fahren wir doch noch zum Rocky Pool. Die Neugier siegt, und es hat sich gelohnt. Wir schätzen unser kleines Womo aber jetzt noch mehr.
In Carnarvon können wir duschen und Wasser tanken, dann suchen wir wieder die Fascine auf und stellen unser Auto an einen „Logenplatz“ für das abendliche Feuerwerk. Das Warten vergeht mit Abendessen und Beobachten der anströmenden Menschen. Die meisten sind schon besoffen, und der Rest wird es auch noch werden. Denn sie schleppen Unmengen von Alkoholika herbei. Dann steigt ein 20 minütiges grandioses Feuerwerk.
Wir lassen die Massen abziehen und verbringen zum dritten Mal die Nacht an unserem gewohnten Platz.
Auf der Fahrt nach Süden machen wir einen Abstecher zum New Beach am Ozean. Der ist aber Gott verlassen, der Strand sei vor einer Woche unter Wasser gestanden, und alle mussten flüchten. Wir fahren weiter zum Bush Bay, prompt treffen wir unseren Bekannten, den Wasserholer, und sehen, wie er wohnt: In einem Siera Luxus-Wohnanhänger, bei dem man zwei Blöcke seitlich ausfahren kann. Er hat sich auch Zelte angebaut und zwei Windräder zur Stromerzeugung aufgestellt. Die Wasserfässer stehen auf dem Kleinlaster. Hier wohnt er also mit seiner Frau, in einer Gegend, wo wir es keine Viertelstunde aushalten. Kein Baum, kein Schatten. Obwohl er uns zum Kaffee einladet, müssen wir vor der Hitze (fast 50 Grad) und vor allem vor den Fliegen fliehen. Maria hat schon zum Frühstück zwei geschluckt und hustet immer noch. Auch am Wohnwagen des alten Mannes mit den zwei Hunden kommen wir vorbei. Wie kann man da wohnen?! Wir machen Zugluft im Auto und fliehen.
Am Overlander Roadhaus müssen wir uns im Schatten eines Baumes erholen.
Dann verlassen wir den North West Coastal Highway und fahren Richtung Denham. In Nanga Bay gibt es eine Schaffarm mit 200.000 ha Fläche. Wir erreichen Goulet Bluff, ein Bush Camp, das in unserem Campingführer aufscheint. Es ist ein einsamer Hügel im Niemandsland. Es weht ein strenger Wind vom Meer herauf, den die Fliegen nicht mögen. Ein Maui – Mietwomo hat auch hierher gefunden.
Nach einer guten Nacht gibt es nur lauwarmen Kaffee, da das Gas ausgeht. Der Wind hat nachgelassen, die Fliegen sind da. In Denham gibt es Gas bei einer Tankstelle, diesmal gibt es heißen Kaffee am Strand in der Nähe eines Hotels, das damit wirbt, das Most Western Hotel Australiens zu sein. Wer in Denham ist, muss auch nach Monkey Mia fahren und bei der Delphinfütterung teilnehmen. Die allerdings versäumen wir, können sie uns aber vorstellen.
Sonst gibt es hier aber auch schon gar nichts. Doch – einen prächtigen Pelikan.
So fahren wir zurück zur Little Lagoon und nehmen da bei brütender Hitze ein laues Bad.
Zurück in Denham finden wir die einzige Palme, die ein wenig Schatten wirft, hier kann man es im schattigen Rasen aushalten, zumal das Meer auch sehr nahe ist und eine Dusche zur Verfügung steht. Dann passiert etwas, was wir Europäer uns gar nicht vorstellen können. Aber immer wieder gibt es in Australien solche Überraschungen. Ein Ranger kommt und fragt uns mit einem Block in der Hand, ob wir schon eine Lizenz zum Übernachten hätten. Verwundert, aber nicht ganz unvorbereitet – hatte ich doch schon in einer Brochure gelesen, dass sie so etwas gerade erst eingeführt haben – antworte ich mit nein, wir hätten vor, zum Overlander Roadhouse hinaus zu fahren. Und das fällt nicht mehr unter seine Kontrolle. Weil wir aber noch am Eagle Bluff den Haien zuschauen und am Shell Bay die Muscheln bewundern wollen, will ich doch noch vom Visitor Centre eine Lizenz holen. Eine Minute nach fünf – geschlossen. So entschließen wir uns, mit dem Auto noch eine Runde in Denham zu drehen und dann abzuhauen. Übernachten im privaten Caravanpark lässt uns der Kopf nicht mehr. Wir bewundern noch das kleine anglikanische Kirchlein auf einer Anhöhe, das ganz aus Muschelblöcken gebaut ist und verlassen Denham.
Da treffen wir kurz vor Eagle Bluff, wo wir eigentlich im Bush Camp bleiben wollten, nochmals auf den Ranger, der den Abfall neben der Straße einsammelt. Wir fragen ihn um eine Lizenz, da wir es uns anders überlegt hätten. Die könne nur im Visitor Centre ausgestellt werden. Etwas konsterniert fahren wir davon. Wir fragen uns, warum er eigentlich einen Block in der Hand hatte.
Es bleibt uns nichts übrig, als noch ca 140 km zu fahren bis zu einer Rest Area am North West Coastal Highway. Es ist wieder drückend heiß, und der Roadtrain hinter uns lässt die ganze Nacht den Motor laufen. Maria vermerkt im Tagebuch: Der Norden bringt uns um.
Wenigstens ist der Kaffee auch heiß. Wir fahren die eintönige Strecke wieder zurück nach Süden bis zur Galena Brücke, die über den Murchison führt. Nach ausgiebiger Rast fahren wir bis Northampton, ein nettes Städtchen im Landesinnern, wo wir kochen, essen, bummeln, faulenzen, Wasser und Benzin tanken, duschen und einkaufen. Kurz vor Geraldton finden wir bei Howatharra eine alte School Site zum Bleiben. Hier stand bis 1949 eine Schule, von der nicht einmal mehr Mauerreste übrig sind. Aber für die Australier ist das ein historischer Platz, auf den am Highway hingewiesen wird als Touristenattraktion. Bis 1957 führte auch die Eisenbahn hier vorbei. Eine Gedenktafel zeigt noch den letzten Lehrer mit seinen Schülern. Hier ist gut sein. Wir trinken ein Emu auf den Geburtstag unseres Schwiegersohns Andy, der ja auch Lehrer ist. Ein Britz – Womo leistet uns Gesellschaft.
Nicolas Geburtstag. Nach einer kühlen und ruhigen Nacht wollen wir Geraldton besichtigen, für das wir auf der Hinfahrt zu wenig Zeit hatten. Wir gehen ins Museum. Geraldton feiert darin das reiche Erbe des Landes, des Meeres und des Volkes der Region des Mittleren Westens, wie es auf einem Flyer heißt. Die Ship Wrecks nehmen einen großen Stellenwert ein, der HMAS Sydney II ist ein ganzer Raum gewidmet. Jetzt müssen wir wohl den nahe gelegenen Hügel zum Memorial hinauf steigen. Der Schiffskiel mit der Kommandobrücke, der Sydney II aus Nirosta nachgebildet, die Kuppel mit den 645 Seagulls aus Kupfer geformt, ein Springbrunnen, auf einer Mauereinfassung alle Namen der Matrosen und eine kurze Beschreibung der Seeschlacht mit Bildern, sowie „The Waiting Woman“, die genau in die Richtung des Vorfalls auf den Ozean hinaus blickt, sind ein würdiges Zeichen der Erinnerung an den einstigen Stolz ihrer Flotte. Die Toten auf der Kormoran und dass sich darauf auch Chinesen befanden, wird nirgends erwähnt.
Auch zwei junge Deutsche interessieren sich für diese Geschichte. Wir kommen mit ihnen ins Gespräch und – stellt euch vor, die haben Nico und Arthur in Coral Bay getroffen, wir nicht. Und jetzt treffen sie ihre Eltern. Australien ist doch nur ein Dorf!
Etwas verspätet kehren wir zum Auto zurück und trinken gemütlich Kaffee. Da klopft wieder ein Ranger an unsere offene Tür. Wir hätten zu lange geparkt. Da dürfe man nur 2 Stunden bleiben. Tatsächlich steht auf dem Straßenschild 2 P (für Parking). Wir waren aber wahrscheinlich 4 Stunden da. Als er hört, dass wir Österreicher sind, kommt er auf Hundertwasser zu sprechen, über den wir uns kurz unterhalten. Das mache 75 Dollar aus, er werde aber mit seinem Chef noch reden. Dieser kommt dazu, ist zwar jünger, und sagt zu unserer Überraschung: Wissen Sie, was? Gehen Sie in ein nettes Lokal, um 75 Dollar bekommen sie ein schönes Abendessen. Aber verlassen Sie sofort den Platz, denn ihren Nachbarn hab ich eben bestraft. Und wenn der zurückkommt …
Es gibt doch nette Leute in Australien. Wir atmen tief durch, schließen das Dach und machen Feierabend. Wir kehren zurück nach Howatharra zu unserer School Site, wo uns jemand von der anderen Straßenseite zuwinkt. Da wir die Geste nicht deuten können, beschließe ich, hinüber zu gehen. Ein alter Herr sitzt vor seinem Haus und ruft, ich solle das Gatter benützen. Ich steige drüber, weil es mit einem Schloss gesichert ist. Ich frage ihn, was seine Handbewegung zu bedeutet habe. „Greeting“, war seine Antwort. Erst aus der Nähe sehe ich, dass er eigentlich recht freundlich ist. Den Hund, der mich anspringt, ruft er zurück. Es entwickelt sich ein nettes Gespräch, sodass ich ihm eine Dose Bier anbiete. Er habe schon selber Bier im Haus, und holt eine Sechszehntelflasche. Ich hol vom Auto mein Emu, und wir stoßen auf unsere Freundschaft an. Er ist 74 Jahre und war sein Leben lang Single. Seine große Landwirtschaft – er hatte 300 acres Schafweide auf dieser Seite und 3.000 acres Weizenland auf der anderen Seite der Straße - hat er verkauft, als ihm die Arbeit zu viel wurde. Er habe zwar keine Verwandte, aber viele Freunde, die ihn auch auf Ausflüge mitnehmen. Tatsächlich hupt jedes Auto, das vorbei fährt. In der Gegend gibt es kein Wasser, ein schon öfter gehörtes Leiden, doch er hat für das Regenwasser zwei große Tanks, das reiche für ihn. Er weiß, dass wir schon am Vortag hier waren und den Platz sauber hinterlassen hätten.
Coronation Beach sei ein schöner Strand, hat der alte Mann gestern gemeint. Ja dann müssen wir uns den vornehmen, ist er doch nur 10 km entfernt. Tatsächlich ist es ein schöner Strand mit Bush Camp, zwar ohne Dusche und Strom, aber mit Pit Toilette und sauber. Hier gibt es Selbstbedienung.
Man gibt 7 Dollar pro Person in ein Kuvert und wirft es in die Honesty Box. Ein Ranger kommt es dann einsammeln. Die Stellplätze sind gut besetzt. Wir zögern noch, gehen mal schwimmen und machen einen Strandspaziergang. Es ist unendlich heiß und kein Baum. Der einzige Schatten ist auf einer Anhöhe oben am Woodwalk, wo eine Überdachung über einem Sitzplatz ist. Wir steigen hinauf, setzen uns in den Schatten, aber die Fliegen sind extrem lästig. Vor uns jemand mit einem Buch in der Hand und einem Fliegennetz um den Kopf. Nein, hier wollen wir nicht bleiben. Wir halten es nicht mehr aus. Wir fahren zuerst ein Stück ins Land hinein, um eine kleine Wanderung zu machen, aber es ist einfach zu heiß. Zum dritten Mal kehren wir auf unseren vertrauten Platz unter dem Eukalyptusriesen zurück. Nur der Nachbar sitzt nicht auf seiner Veranda. Wir messen uns im Sudoku und machen uns schon ein wenig Sorgen um den einsamen alten Mann, als ein Auto hupt - ein sicheres Zeichen, dass er da ist. Irgendwann kommt Wind auf und wird zum Sturm, dass wir lieber das Dach schließen. Es gibt keinen Tag wie den anderen, man erlebt immer neue Überraschungen in Australien.
Wieder fahren wir in die 35.000 Einwohner zählende Stadt Geraldton hinein, die wir lieb gewonnen haben. Maria will noch etwas schoppen, und ich schau mich ein wenig mit dem Auto um. Mittag machen wir auf dem Hügel beim Memorial oben. Wir sitzen noch beim Essen, als ein Auto vor uns anhält. Eine Frau entsteigt und kommt auf uns zu, stellt sich vor als Pam und lädt uns zu ihrem Haus ein. Sie wohne gerade um die Ecke. Wir müssen wohl arg mitgenommen ausgeschaut haben, denn sie hätten einen schattigen Garten und ein Bad zum Duschen. Zu verblüfft, um abzulehnen, nehmen an. Sie lasse ihr Auto vor dem Haus stehen, dann fänden wir das Haus leicht. So sitzen wir beim Kaffee im klimatisierten Wohnzimmer und plaudern auch mit ihrem Ehemann. Die Frau öffnet die aktuelle Tageszeitung, wo sie beide abgebildet sind in ihrem schönen Garten. Sie zeigt uns auch den Garten, aber wir wollen natürlich nicht ihr Bad benützen. Ich sagte ja schon, dass wir Geraldton lieb gewonnen haben.
Bevor man diese Stadt verlässt, sollte man in der Franz Xavier Kirche noch eine Kerze anzünden und einen Vaterunser beten. Dazu kommen wir aber fast nicht, weil uns andere Kirchenbesucher immer wieder ansprechen und mit uns – fast aufdringlich – reden wollen, woher wir kommen, dass sie schon in Wien waren, Mozart kennen und seine Musik lieben … bla, bla, bla. In der Nähe von Dongara gibt es eine sehr schöne schattige Rest Area mit viel Platz, und wir sind nur zu zweit. Und – man höre – keine Fliegen!
Lichtmess. Heute ist Dongara dran. Jeden ersten Samstag im Monat ist in dem 3.600 Seelen - Dorf Markttag. Unser Womo hat einen Schattenplatz unter einem knorrigen Feigenbaum, von denen es eine ganze Allee gibt.
Die Basteleien erinnern uns aber an die Zeit vor 50 Jahren.
Drum fahren wir zur Mündung des Irwin Rivers, lassen unser Auto am Lookout und steigen den Bordwalk hinunter zum Ufer und machen einen ausgedehnten Rundgang in diesem Vogelparadies. Durch den tiefen Sand steigen wir wieder die Anhöhe hinauf. Gut, dass es da oben einen Wasserhahn gibt, um die Füße zu waschen.
Dann suchen wir den Strand auf und legen uns im sehr schönen Town Beach in den Schatten einer Palme. Da spricht uns ein Ehepaar an, das sich denselben Baum ausgesucht hat. Und die haben einen seltsamen Beruf , sie sind House Sitter. Sie haben ihr Haus verkauft, haben nur mehr einen größeren Mercedes und bewohnen Häuser, auf die sie draufschauen, wenn der Besitzer fortfährt. Aktuell wohnen sie in einer Nobelvilla in Dongara, dessen Besitzer schon fast ein Jahr mit seinem Wohnanhänger in Australien unterwegs ist. Sie zeigen uns sogar das Haus und bewirten uns im angenehm klimatisierte Wohnzimmer. Der Besitzer ist im Vietnamkrieg verwundet worden und bezieht eine Wahnsinnsrente. Er konnte sich diese Villa bauen, einen Luxus-Wohnanhänger kaufen und kann sich leisten, ein ganzes Jahr auf Reisen zu gehen. Daheim hat er verlässliche Leute, denen er zwar nichts bezahlt. Sie können aber gratis drin wohnen bei freiem Strom und Wasser. Die House Sitter können gut leben, sie haben so viele Anfragen, dass sie sich die Häuser aussuchen können, im Winter weiter im Norden, im Sommer mehr im kühleren Süden. Neville und Margret sind Künstler, er schenkt mir einige Duschezeichnungen, sie zeigt Babysachen, Billets und Kuscheltiere, über deren Geschmack man diskutieren könnte. Wir verbringen aber einen angenehmen Nachmittag in einem fremden Haus und wollen uns dafür bedanken. Nein, sie hätten zu danken, dass wir mitgekommen seien.
Heute sind wir schon zu viert auf unserem Stellplatz von gestern. Es ist ein heißer Abend, doch die Nacht wird kühl.
Sonntag: Wir zigeunern schon einen ganzen Monat im Land herum. Heute wollen wir faulenzen. Zum Baden sei der South Beach schöner als der Town Beach, wo die Fischfabrik zu nahe sei. Da ist aber heute was los, der Schwimm -, Surf - und Tauchclub hat die Kinder zu einem Lehrgang und zu Wettbewerben geladen. Es ist interessant zuzuschauen.
Aber zu Mittag ist alles vorbei und der Strand wieder leer. Die Sonne brennt zu heiß. Man muss Kopfbedeckung und spezielle T-shirts tragen.
Es geht weiter zum romantischen Cliff Head South, einem Bush Camp direkt am Ozean. Drei Fischerfamilien mit vielen Kindern verbringen hier das Wochenende. Die Luft ist extrem feucht.
Am Indian Ocean Drive fahren wir nach Süden bis Leeman. Am Pioneer Park machen wir Halt. Immer wieder wird auf Schautafeln hingewiesen, dass das Land tausende Jahre im Besitz der Aboriginies war und sie deshalb Respekt verdienen. Der nahe Lookout ist ein schöner Aussichtspunkt.
Nächster Halt ist Green Head. Wir plaudern am Strand mit jungen Amerikanern, die nicht einmal Bode Miller kennen. An jedem Strand gibt es Lookouts, Toiletten und Duschen zum Frischmachen.
In Jurien Bay haben wir Lust auf Fish and Chips, zum Bummeln und zum Einkaufen.
Der Thirsty Point (man beachte den Namen), ein Lookout in Cervantes, bietet ein atemberaubendes Panorama über den Ozean, die Buchten in der Umgebung und die Stadt. Ein hölzerner boardwalk führt über die Sanddünen auf die ausgesetzte Anhöhe hinauf. Verwegene Windsurfer spielen und kämpfen mit den Wellen.
Wir erinnern uns gerne an die Pinnacles zurück, die wir passieren, und bleiben auf einer Rest Area bei Breton Bay südlich von Lancelin.
Den vorletzten Tag wollen wir in Guilderton verbringen, das uns der Baustoffprüfer mit der deutschen Freundin aus Essen, um die er noch kämpfen muss, weil sie so Heimweh hat, empfohlen hat.
Guilderton ist eine sehr nette Siedlung am Moore River, die gegen die Verstädterung zu kämfen hat. Regionalpolitiker wollten das südliche Ufer des Moore für die Verbauung frei geben, die Bevölkerung möchte es aber als Naturschutzgebiet erhalten.
Wir parken im Pelikan Park. Wieder führt ein Boardwalk zu einem Lookout hinauf. Man überblickt die Mooremündung.
Der Fluss wird zur regenarmen Zeit durch eine Sandbarriere aufgestaut, sodass ein größerer See entsteht, ein Eldorado für die Fischer. Es darf zwar jeder fischen, doch gibt es strenge Vorschriften. So sind am Ufer Tafeln angebracht, die die erlaubte Fischgröße abbilden. Was kleiner ist muss natürlich lebend wieder ausgesetzt werden. Zu Mittag gibt es Chicken Nougats und danach zelebrieren wir unseren Kaffee. Nach einem ausgedehnten Spaziergang machen wir uns wieder auf den Weg mit dem Auto. Am Weg entdecken wir kleinere Brüder der Pinnacles.
Wir machen eine Rundfahrt in Gabbadah, einer neuen Siedlung zwischen dem Indian Ocean Drive und dem Moore Fluss. Dann machen wir Halt an der alten Moore Brücke, die von unten fast kriminell aussieht, weil sie nur mit Eukalyptusbalken konstruiert ist.
Ein kurzer Walk dem Moore entlang tut gut. Am Parkplatz lesen wir wieder über die Träume der Aboriginies.
Die letzte Nacht verbringen wir dort, wo wir die erste verbracht haben in Gesellschaft eines größeren Wohnmobils. Es wird eine angenehme Nacht.
Wir kommen wieder in das neue Siedlungsgebiet, das schon Stadtausmaße angenommen hat. Hier tanken wir auch am billigsten. Das Benzin kostete auf unserer Fahrt zwischen 1,25 bis 1,73 Dollar (in Exmouth). Der Frühverkehr setzt ganz plötzlich ein. Vor jeder Ampel ist Stau. Am letzten Tag noch muss man höllisch aufpassen, wollen wir doch das Auto heute unversehrt zurück geben. Wir weichen auf die Küstenstraße aus und erreichen noch am Vormittag Palmyra, wo wir ein freudiges Wiedersehen haben. Wir räumen das Auto aus, und die Kinder kommen von der Schule. Nach dem Mittagessen begleitet mich Nicola nach Rockingham. Nochmals füllen wir den Tank auf, und nach 6.616 km unfallfreier Fahrt auf der für uns falschen Straßenseite geben wir das Womo zurück. Erstmals schlafen wir wieder auf einer Matratze in einem feinen Bett.
Ausschlafen ist angesagt. Die zwei langen Reisen waren für uns nicht mehr Jugendlichen doch anstrengender, als wir uns selber eingestehen. Maria begleitet mit Nicola die Kinder in die Schule. Diese hat ja am 4. Feber begonnen. Nachher fahren die zwei Damen nach Fremantle zum Frisör und zum Schoppen. Ich habe Zeit, Emails zu beantworten und vor allem uns bei unseren Kindern zurück zu melden. Haben sie doch hart auf ein Lebenszeichen gewartet, denn von der Reise nach Norden konnte ich mich ja nie melden. Am späteren Nachmittag fahren wir alle nach Applecross, kurz vor Perth am Swan River. Da gibt es einen wunderschönen Park mit 10 Gasgrills und einem riesigen Kinderspielplatz, zudem eine grandiose Aussicht auf die Skyline von Perth. Da mundet ein Picnic dann doppelt so gut. Ein junger Herr streut Rosen auf dem Boardwalk, soll wohl einen Heiratsantrag bedeuten. Auf dem Spaziergang zurück zum Auto setzt schon Dunkelheit ein, und die Lichter von Perth vom Jetty aus, über die Segelboote am Swan hinweg betrachtet, bieten ein stimmungsvolles Bild.
Arthur und Nicola arbeiten, die Kinder sind in der Schule. Ich geh einkaufen zum Woolworth, und Maria kocht auf Tirolerisch. Die Schiweltmeisterschaft von Schladming hat begonnen. Arthur schafft es, den Livestream (SG der Damen) im Internet einzufangen. Durch die 7 Stunden Zeitverschiebung ist die Übertragung erst am Abend.
Samstag. Nocheinmal statten wir dem Kingspark einen Besuch ab, leider für die Kinder ist der Abenteuerspielplatz wegen Buschbrandgefahr gesperrt.
Picnic auf der Family Area.
Am Abend steigt die Herrenabfahrt, die wir bei brütender Hitze
und kühlem Bier über uns ergehen lassen.
Sonntag. Wir suchen zu Fuß die Kirche auf. Pfarrer Francis hält eine mutige Predigt, erwähnt die Reformforderungen der österreichischen Laienintiative, die nach Rom eingereicht wurden und betont immer wieder, die Gleichberechtigung aller Menschen laut Menschenrechtsdeklaration. Nach der Damenabfahrt gehen die Kinder zu Bett. Wir fahren ein letztes Mal nach Fremantle und machen einen Nachtspaziergang.
In
einem Lokal sieht man ein Paddelboot mit einem Haifischbiss. Der
Paddler kam mit dem Schrecken davon.
Am letzten ganzen Tag in Australien spannen wir nochmals richtig aus. Während des Herren Kombi Bewerbes kommt die Meldung vom Papstrücktritt.
Dienstag. Da Arthur und Nicola arbeiten, bringen wir die Kinder zur Schule und verabschieden uns von ihnen.
Sie realisieren allerdings nicht, dass das für längere Zeit sein wird. Nicola kommt noch mit dem Moped vorbei, um uns nochmals zu umarmen. Dann packen wir die Koffer. Dann kommt Arthur heim und bringt uns zum Flughafen.
Pünktlich um 15 Uhr 30 hebt die Boeing 330 ab nach Singapur, wo wir um 20 Uhr 40 landen. Es hat immer noch 31 Grad (40 Grad waren es in Perth). Um 23 Uhr 30 Abflug (wegen günstigem Wind eine halbe Stunde re-timed) mit der Boeing 380 nach München. Um 5 Uhr 10 Landung in München bei minus 4 Grad. Chris bringt uns gut nach Hause.